Geschichte

Faslam

Ist es ein Hobby? Ein Laster? Geschieht es einfach? Man weiss es nicht. Ein wenig verrückt zu sein, ist zwar keine Teilnahmebedingung aber es erleichtert die Sache ungemein. Faslam ist Brauchtum, Spaß und Gemeinschaft in einem. Der Ursprung des Faslams ist das Schnorren. Knechte und Mägde verweigerten im Winter einmal im Jahr die Arbeit bei den Bauern und zogen in den Dörfern an die Häuser, um Gaben für Ihren Festschmaus am Abend zu sammeln. Die Spenden der Bewohner bestanden aus Nahrungsmitteln in flüssiger und fester Form, sodass die Knechte und Mägde am Abend nach dem zünftigen Essen ausgiebig feiern konnten. Die Abhängigkeit zu den Bauern wurde an diesem Tag vergessen. Teilweise ist auch überliefert, dass der Winter von den Höfen vertrieben werden sollte. Wer als Dorfbewohner nichts für den abendlichen Festschmaus gab, sollte den Winter das ganze Jahr über auf dem Hof behalten. Die Abhängigkeit von den Bauern ist heute nicht mehr zu erkennen und Knechte und Mägde in ihrer damaligen Form gibt es auch nicht mehr. Die Tradition, bei den Dorfbewohnern für den abendlichen Festschmaus zu sammeln, wird aber noch heute einmal im Jahr zur Faslamszeit fortgeführt! Was damals in loser Zusammenkunft der Knechte und Mägde organisiert war, ist heute der Inhalt eines Vereins. Neben der Aufrechterhaltung des traditionellen Schnorrens beinhaltet die Vereinssatzung das Ziel, die Dorfgemeinschaft zwischen den Bewohnern von Drage, Drennhausen und Elbstorf zu fördern.

 

Eingessenen Dorfbewohnern ist das Schnorren natürlich bekannt und sie kennen den Hintergrund. In Zeiten des Wachstums unserer schönen Gemeinde Drage kommt es immer mal wieder vor, dass neue Dorfbewohner in unserer Gemeinde eher irritiert die Haustür sichern und nicht so recht wissen, was diese rätselhaft bunte Gruppe von Haltlosen trotz eisiger Kälte durchs Dorf treibt. Hier möchten wir versuchen einen kleinen Einblick in unser ungeschriebenes Drehbuch zu geben.
 

Es steht eine wild "Faslam" grölende Meute vor meiner Haustür -

Was tun ?
 

Zunächst einmal: Keine Angst. Faslamsbrüder sind von Haus aus fröhliche und natürlich friedliche Menschen. Lediglich Versuche, sie von Getränken oder ähnlichen Leckereien fernzuhalten, rufen in der Regel Widerstand hervor. Man kann die Tür also gefahrlos öffnen. Wer das dann geschmetterte Lied trotz gelegentlicher Melodieabweichungen standhaft erträgt und einen Lütten mittrinkt, hat schon gewonnen. Für die Kleinen haben wir auch immer ein paar Leckereien dabei. Besonders dankbar sind wir für Gaben, die wir für unseren abendlichen Festschmaus benötigen. Spenden in fester Form, wie Wurst, Eier, Brot, Gurken oder Tomaten werden genauso wie auch Spenden in flüssiger Form benötigt. Sehr gern nehmen die Schnorrer des Elvdieker Faslamsclub auch Spenden in Scheinform der Währung "Euro" entgegen. Denn die Elvdieker Faslamsbrüder und -schwestern haben Ihr Faslamsprogramm neben dem Schnorren und dem Festschmaus auf weitere Veranstaltungen ausgedehnt. Musikbands für Tanzveranstaltungen und Schmuck für den Saal des Gasthauses müssen genauso finanziert werden, wie die Kindermaskerade.

Der Faslam im Landkreis Harburg und speziell auch in der Elbmarsch hat eine weitreichende Tradition. Ab den 50er Jahren wurde der Faslam in Drage am Elvdiek sogar mit Festumzügen gefeiert (Fotos). Als eine Sturmflut die Deiche brechen ließ, wurden die Faslamsfeierlichkeiten für mehrere Jahre ausgesetzt. In den 80ern bildete sich eine Frauentruppe, die das Schnorren und den Festschmaus wieder aufleben ließ. Auch in Marschacht gab es lange Zeit Veranstaltungen, mit unter anderem Büttenreden zur politischen Lage. Der Elvdieker Faslamsclub in seiner heutigen Form wurde 1989 gegründet. So konnten wir 2009 unser 20jähriges Bestehen feiern. Wir blicken auf eine große Anzahl von rauschenden Festen zurück, die wir in unseren Dörfern auf die Beine gestellt haben. Besonders verdient gemacht hat sich der Gründungsvorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende Rolf Ahrens-Wiegel -"Rollo", der mit seinem Vorstandsteam die Gründung dieses Vereins angekurbelt und 10 Jahre lang den Verein vorangetrieben hat. Durch unseren Verein hat die Aufrechterhaltung der Tradition des Schnorrens und die Pflege der Dorfgemeinschaft an Stabilität gewonnen. Zur Zeit haben wir ca. 300 Mitglieder, davon sind ungefähr 100 passiv, der Rest sind aktive Mitglieder. Wir freuen uns seit Jahren über regen Zulauf.

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